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Von YC zu AWS: Wie Emergent in 8 Monaten einen Jahresumsatz von 100 Mio. USD erzielte
In weniger als einem Jahr hat sich Emergent zu einem der am schnellsten wachsenden Startups weltweit entwickelt. Auf einem Weg, der die Branche in seinen Bann gezogen hat, erreichte die Plattform „Vibe Coding“ bereits acht Monate nach ihrem Start einen Jahresumsatz von 100 Millionen USD und verzeichnete mehr als 8,5 Millionen Nutzer in 190 Ländern. Bemerkenswert ist, dass 80 Prozent der Nutzer noch nie auch nur eine einzige Zeile Code geschrieben haben.

Dieser Anstieg fällt in eine Zeit, in der KI-gestützte Programmiertools zunehmende Verbreitung finden. Doch während sich viele Plattformen auf Entwickler konzentrieren, hat Emergent seine Plattform ganz auf eine andere Zielgruppe ausgerichtet: auf Menschen mit großartigen Ideen, aber mit eher wenigen Programmierkenntnissen.
Bei Emergent hat das außergewöhnliche Wachstum zu einem außergewöhnlichen Bedarf an Technik geführt. Mit der Infrastruktur von Amazon Web Services (AWS) verfügt das Unternehmen über ein zuverlässiges Fundament zum Erreichen seiner Skalierungsziele. Dies ermöglicht den Zugriff auf Kapazitäten für KI-Inferenz und stellt sicher, dass Benutzer weiterhin unterbrechungsfrei Anwendungen entwickeln können.
Das von den Brüdern Mukund und Madhav Jha gegründete Unternehmen Emergent, dessen Entwicklung durch die Teilnahme am Programm Y Combinator (YC) im Sommer 2024 weiter vorangetrieben wurde, blickt auf eine Geschichte zurück, die sich über zwei Kontinente, mehrere Startups und jahrelange Erfahrung in der Entwicklung von KI erstreckt.
Zwei Brüder, eine Idee
Madhav und Mukund kamen unabhängig voneinander in die USA, um zu promovieren. Anschließend schlugen beide Brüder Karrieren im Bereich der Zukunftstechnologien ein. Mukund arbeitete bei Google, bevor er die bahnbrechende indische Lieferplattform „Dunzo“ mitbegründete. Madhav hingegen war Mitglied des Teams, das Amazon SageMaker entwickelte. So konnte Madhav aus erster Hand miterleben, wie sich die KI im Zuge verschiedener Innovationswellen weiterentwickelte.
„Wir hatten schon lange den Wunsch, gemeinsam etwas aufzubauen“, erklärt Madhav. „Wir sind jahrelang getrennte Wege gegangen, bevor wir schließlich beschlossen, dass dies der richtige Zeitpunkt war, um gemeinsam in den Bereich der KI einzusteigen.“
Bei ihrem anfänglichen Vorhaben standen End-to-End-Tests von Benutzeroberflächen im Mittelpunkt. Nachdem sie sich selbst ein Bild von den immer zahlreicheren Anwendungsfällen und den Auswirkungen von KI gemacht hatten und erkannten, wie mühsam und zeitaufwendig für Entwickler diese UI-Tests waren, begannen Mukund und Madhav damit, den gesamten UI-Test-Workflow zu automatisieren.
Eine Neuausrichtung der Zielsetzung
Im Jahr 2024 nahm Emergent am Sommer-Batch von YC teil. Das bot dem Team die Möglichkeit, sein Geschäftsmodell weiterzuentwickeln und sich der breiteren Startup-Community besser zu präsentieren. Doch schon zu Beginn des Programms erkannte das Team, dass das Potenzial ihrer Geschäftsidee weitaus größer war, als sie sich vorgestellt hatten.
„Am ersten Tag bei YC haben wir den Verantwortlichen mitgeteilt, dass wir einen Kurswechsel vornehmen wollten“, sagt Madhav. „Wir sind mit einer Idee zum Thema UI-Tests gestartet, haben aber sehr schnell erkannt, dass die Automatisierung des gesamten Softwareentwicklungszyklus eine noch größere Chance darstellt.“
YC unterstützte die Idee von Emergent und half dem Startup dabei, seine neue Ausrichtung vor Beginn der Umsetzung vernünftig zu beurteilen. Madhav fügt hinzu: „Der Community-Aspekt von YC ist eine Stärke, die sich im Laufe der Jahre immer weiter vervielfältigt. Schließlich können wir nun Kontakt zu anderen Unternehmern, Partnern und YC-Alumni aufnehmen. Es ist hilfreich, in dieses Umfeld einzutauchen, in dem alle daran arbeiten, bei Innovation an der Spitze zu stehen.“
Die Zeit nach YC wurde fast ausschließlich mit Forschung und Tests verbracht. „Wir haben die ersten sechs Monate unseres Startups damit verbracht, zu forschen und zu versuchen, den weltweit besten Coding-Agenten zu entwickeln“, sagt Madhav. „Als wir beim Benchmark „SWE-bench Verified“ den ersten Platz belegten, wurde uns klar, dass wir zu diesem Zeitpunkt den besten auf dem Markt verfügbaren Coding-Agenten entwickelt hatten.“
Entwickeln von KI für alle
Nachdem nun die technischen Grundlagen geschaffen waren, standen die Gründer vor einer neuen Frage: Für wen entwickelten wir unser Produkt? Zunächst erwog das Team den Vertrieb an große Unternehmen, doch langwierige Verkaufszyklen veranlassten sie, sich einer anderen Zielgruppe zuzuwenden. Anstatt um die Aufmerksamkeit der Entwickler zu konkurrieren, erkannte Emergent, dass es eine noch größere Gruppe gab, die bisher völlig übersehen wurde.
Madhav erklärt: „Eine der Möglichkeiten, wie wir das Produkt auf den Markt bringen könnten, bestand darin, den Coding-Agenten auf Nicht-Entwickler auszurichten.“ Da sich ein Großteil des Programmiermarktes auf Ingenieure konzentriert, richtete Emergent seinen Fokus auf Unternehmensinhaber, Gründer und Kleinunternehmer. Mit anderen Worten: auf Benutzer mit großen Ideen, aber nicht ausreichendem technischen Wissen zum Umsetzen dieser Ideen.
Während sich die Konkurrenz oft auf die Erstellung von Prototypen oder Proof-of-Concepts konzentriert, wollte Emergent, dass Benutzer Produkte entwickeln, die sie tatsächlich auf den Markt bringen können. „Die meisten Plattformen boten lediglich eine einfache Oberfläche über der eigentlichen Idee“, sagt Madhav. „Doch diese Oberfläche wäre bei Auslieferung an den Kunden möglicherweise nicht so gut angekommen. Die Benutzer von Emergent entwickeln keine Projekte, sondern produktionsreife Software.“
Vom ersten Tag der Nutzung von Emergent können Benutzer nicht nur das Frontend-Erlebnis gestalten, sondern auch die Backend-Infrastruktur, Datenbanken und Integrationen aufbauen, die für die Markteinführung einer umfassenden Anwendung erforderlich sind. „Die Benutzer, die zu unseren Power-Usern geworden sind, sind keine Hobbyentwickler, sondern Unternehmensinhaber und kleine Unternehmen, die es ernst meinen mit der Entwicklung und der Vermarktung ihrer Apps.“
Hinter der Einfachheit der Benutzeroberfläche der Plattform verbirgt sich jedoch eine außerordentlich leistungsstarke Engine. Die Monate, die vor der Markteinführung in die Entwicklung der zugrunde liegenden Coding-Agenten von Emergent investiert wurden, verschafften der Plattform einen Vorteil, der sie von ihren Mitbewerbern abhob.
„Wir waren damals wahrscheinlich das einzige Startup, das über einen echten Coding-Agenten auf Entwickler-Niveau verfügte“, sagt Madhav. „Das Produkt ist sehr benutzerfreundlich, aber gleichzeitig ist die Technologie, die dahintersteckt, auch sehr leistungsstark.“
Das Skalieren eines der am schnellsten wachsenden Startups im Bereich der künstlichen Intelligenz
Die Dynamik von Emergent zeigte sich bereits kurz nach der Markteinführung. „Das wurde innerhalb der ersten 30 Tage ziemlich deutlich“, sagt Madhav. „Wir hatten einen so guten Start hingelegt, dass wir unsere „Series A“ sehr schnell abschließen konnten.“
Der Aufbau einer KI-Plattform dieser Größenordnung erfordert jedoch nicht nur leistungsstarke Modelle, sondern auch einen zuverlässigen Zugang zur Infrastruktur. Zu dieser Zeit stellte die Sicherstellung von Kapazitäten für KI-Inferenz branchenweit eine Herausforderung dar, und schnell wachsende Unternehmen hatten Schwierigkeiten, auf die Ressourcen zuzugreifen, die sie zur Deckung des Bedarfs benötigten. Für Emergent hatte es oberste Priorität, sicherzustellen, dass seine Kunden nahtlos und ohne Unterbrechungen weiterarbeiten konnten. Daher war AWS die naheliegende Wahl.
„AWS hat sich für uns besonders ins Zeug gelegt, um die für uns passenden Kapazitäten hinsichtlich der Ratenlimits sicherzustellen. Das war für unser Wachstum von entscheidender Bedeutung“, sagt Madhav. „Sobald wir die Unterstützung eines Partners wie AWS haben, können wir unser Marketing und unser Wachstum ziemlich offensiv angehen, da wir wissen, dass unsere Kunden bei ihrem Besuch weder mit Ausfallzeiten konfrontiert noch eine schlechte Erfahrung machen werden.“
Um dem Bedarf gerecht zu werden, verlegte Emergent seine KI-Produktions-Workloads auf die Claude Platform auf AWS (CP auf AWS). Das ist die auch für Großunternehmen geeignete Inferenzplattform von Anthropic. Diese Plattform wird ausschließlich in der AWS-Infrastruktur ausgeführt. Damit war Emergent das weltweit das erste Unternehmen, das seine gesamten Produktions-Workloads auf dieser Plattform abwickelte. Durch diesen Schritt war es dem Unternehmen möglich, sämtliche Benutzeranfragen skaliert zu bearbeiten und gleichzeitig ein zuverlässiges Kundenerlebnis sicherzustellen.
Über Inferenz hinausgehen
Die Partnerschaft mit AWS geht zudem über die reine KI-Inferenz hinaus. Da KI-Agenten immer leistungsfähiger werden, verschiebt sich die Herausforderung im Bereich der Infrastruktur. „Wir leben in einer Welt, in der nicht mehr alles über ein einziges Modell laufen muss“, erklärt Madhav. „Es gibt viele Aufgaben, die delegiert werden: das Testen von Apps, das Ausführen von Skripten, die Durchführung von Recherchen … All dies erfordert Rechenkapazitäten, die sich sofort hoch- und herunterfahren lassen.“
Da Emergent weiter wächst, gewinnt AWS auch bei diesen Workloads zunehmend an Bedeutung als Partner und unterstützt das Unternehmen mit der erforderlichen Skalierbarkeit und Flexibilität, um seine Infrastruktur aufzubauen und Millionen von Benutzern weltweit zu betreuen.
AWS hat zudem eine Schlüsselrolle bei den Anstrengungen von Emergent bezüglich Markteinführung und Ökosystem gespielt. Ende 2025 veranstalteten AWS, YC, Anthropic und Emergent gemeinsam einen Startup-Hackathon, an dem fast 3 000 Bewerber aus aller Welt teilnahmen. „Der Teamgeist war wirklich großartig“, sagt Madhav. „Es fühlte sich so an, als hätten alle dieselbe Mission und wären sich einig, das Projekt zum Erfolg zu führen.“
„Wir konnten uns auf AWS nicht nur in technischer, sondern auch in persönlicher Hinsicht verlassen“, fügt er hinzu. „Wenn Herausforderungen auftauchen, konzentrieren wir uns darauf, wie wir sie gemeinsam lösen können.“
Die zukünftige Ausrichtung von Emergent
Die Ambitionen von Emergent reichen mittlerweile weit über die Softwareentwicklung hinaus. Das Unternehmen entwickelt sich von einer Plattform zur Erstellung von KI-Apps zu einem – nach eigener Aussage – neuen Betriebssystem für Unternehmen, auf denen Unternehmen nicht nur die App selbst erstellen, sondern auch das Geschäft mithilfe einer leistungsstarken Suite spezialisierter, als KI-Mitarbeiter fungierender Agenten führen können, die über Messaging-Kanäle wie WhatsApp, Telegram und iMessage kommunizieren.
„Wir möchten eine Plattform sein, die allen Menschen auf der Welt KI zugänglich macht, damit sich niemand ausgeschlossen fühlt“, sagt Madhav. „Diese Funktionen sind zwar leistungsstark, aber nur dann von Bedeutung, wenn sie in einer Form verfügbar sind, die die Menschen tatsächlich nutzen möchten.“ Emergent geht bereits über die Erstellung von Web- und Mobil-Apps hinaus und erschließt breitere Anwendungsfälle in der Wirtschaft. Zu solchen Anwendungen gehören Kundensupport, Lead-Generierung und betriebliche Workflows. AWS stellt weiterhin die zugrunde liegende Infrastruktur bereit, die es dem Unternehmen ermöglicht, seine Ambitionen zu skalieren.
Im Mittelpunkt der Mission von Emergent steht die Überzeugung, dass KI vertraut, praktisch und tief in die Art und Weise eingebettet sein sollte, wie Menschen bereits heute Unternehmen aufbauen und führen. „Wir denken ähnlich wie Amazon, was die Fokussierung auf die Kundenorientierung angeht“, sagt Madhav. „Alles, was wir entwickeln, geht von dem aus, was die Benutzer tatsächlich benötigen, um erfolgreich zu sein.“
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